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Hypnose

Die Technik um jemanden in Trance zu versetzen. Im allgemeinen Sprachgebrauch auch ein anderes Wort für Trance.

Der Begriff „Hypnose“ ist durch viele Mythen geprägt, teilweise durch die Überlieferung in TV und Film, aber auch durch den „zauber“-haften Umgang bei öffentlichen Aufführungen von so genannten „Show-Hypnotiseuren“. Aktuell ist noch nicht vollends geklärt, welche exakten Bereiche unseres Gehirns in einem Trance-Zustand aktiviert werden, hier wird nach wie vor intensiv geforscht. Ein Grund für dieses hohe Interesse der modernen Medizin an Hypnose ist der Fakt, dass sie funktioniert.

Hypnose ist ein veränderter Bewusstseinszustand, in dem die Wahrnehmung eingeschränkt ist und sich komplett nach innen dreht, auf die eigenen Gedanken und Gefühle hin. Hypnose ist nicht Schlaf, sie ist keine Ohnmacht und man ist nicht willenlos. Der Wille wird vielmehr auf einen Punkt fokussiert, beispielsweise einen Gedanken, Glaubenssatz oder eine schöne Vorstellung, bis der bewusste Verstand beiseite steht. Das macht es möglich, in diesem Zustand tiefer Entspannung besonders intensiv mit dem Unterbewusstsein in Kontakt zu treten, so wie wir es beispielsweise beim Träumen in der REM Phase tun. Der Unterschied ist jedoch, dass wir hier mit einem Fünkchen Bewusstsein beobachten und auf Wunsch mit unserer innersten Stimme direkt interagieren können. Da in diesem Zustand unser Unterbewusstsein Wünsche (Suggestionen) besonders klar aufnimmt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass diese umgesetzt (in unsere künftigen Verhaltensmuster integriert) werden, als wenn diese Wünsche im normalen Wachzustand geäußert werden.

Deshalb kommen viele Menschen, die sich zum ersten Mal hypnotisieren lassen, oftmals mit einer übermäßig hohen Erwartungshaltung zum Hypnotiseur oder Coach und glauben, einen „übernatürlichen“ oder „magischen“ Zustand, fernab alles bisher Bekannten, erleben zu können. Dies ist nur teilweise richtig, denn auch wenn der Zustand doch etwas Magisches hat, so ist er uns allen wohlbekannt. Erinnern Sie sich zurück, als Sie das letzte Mal vor dem Fernseher gesessen haben und Ihr Partner oder Ihre Partnerin Sie tatsächlich anschreien musste, damit Sie überhaupt wahrnehmen konnten, dass er oder sie etwas von Ihnen möchte. Oder der Moment, als Sie spätabends auf der Autobahn nach Hause fuhren: es war dunkel und vielleicht regnete es, die Scheibenwischer klappten monoton vor und zurück, und in Ihre Gedanken vertieft, schrecken Sie plötzlich auf und fragen sich: „Wie bin ich eigentlich nach Hause gekommen, ich bin doch gerade erst losgefahren?“

Dieser Zustand, in dem wir uns tagsüber sehr oft befinden, ist auch als „Tagträumerei“ bekannt, tritt aber ebenso auf, wenn wir in einen leichten Schlaf fallen, langsam aus tiefem Schlaf aufwachen oder unsere Aufmerksamkeit auf irgendetwas fokussieren. Im Fachjargon bezeichnen wir dies als den so genannten Alpha-Zustand oder das Alpha-Bewusstsein. Wir unterteilen unsere Bewusstseinszustände in vier Kategorien. Normales Wachbewusstsein ist „Beta“, leicht modifiziertes Bewusstsein „Alpha“, tiefer Schlaf „Theta“ und komatöse Zustände sind „Delta“. Diese Niveaus werden in Gehirnwellen-Raten gemessen (Anzahl der Zyklen pro Sekunde). Der Beta Zustand befindet sich zwischen 15 bis 30 Zyklen pro Sekunde, Alpha zwischen 8 bis 14 Zyklen pro Sekunde, Theta zwischen 4 bis 8 Zyklen pro Sekunde und Delta unterhalb von 4.

Im normalen Wachzustand arbeiten unser Gehirn und unser Geist mit größter Kritikfähigkeit. Das Gehirn bewertet konstant Einflüsse vom eigenen Selbst und von außen. Es selektiert und reagiert, und das sehr schnell. Oftmals, wenn wir noch glauben, wir würden erst abwägen, ist unsere Entscheidung bereits getroffen. Der Grund für die Schnelligkeit ist unsere Umwelt. Wir wären völlig überfordert damit, alle Informationen, die konstant durch unsere fünf Sinne auf uns einprasseln, einzeln zu bewerten und in Relation zu setzen. Deshalb hat unser Vorbewusstsein eine ganz spezielle Funktion: es selektiert die Informationen aus, die unser bewusstes Denken erreichen. Sie kennen das bestimmt von äußeren Einflüssen wie unangenehmen Gerüchen: kommen Sie in einen Raum, in dem die Luft schlecht ist, bemerken Sie dies sofort. Entschließen Sie sich jedoch in dieser Umgebung zu verweilen, gewöhnen Sie sich sehr schnell daran und bemerken den Geruch gar nicht mehr, obwohl er noch da ist. Genauso funktioniert es mit unserem Verhalten. Sobald wir eine Strategie gefunden haben, die für uns erfolgreich ist, behalten wir diese bei. Dies unterstützt uns dabei, uns in der Welt zurechtzufinden und aktiv mit ihr interagieren zu können. Anders wäre es gar nicht möglich, wir wären von viel zu viel Information schlichtweg überfordert. Dieser automatische Selektionsmechanismus, der es ja eigentlich gut mit uns meint, führt jedoch auch zu Komplikationen. Zum Beispiel sind ein Großteil der Vorurteile und Glaubenssätze uns selbst und anderen gegenüber, aber auch negative Verhaltensmuster und andere unerwünschte Strukturen unserer Persönlichkeit, die wir gerne positiv verändern würden, auf diesem Mechanismus begründet. Aus evolutionstheoretischer Sicht ist der Prozess, wie unsere vorbewusste Wahrnehmung, auch als „Wahrnehmungsfilter“ bekannt, zu Stande kommt, relativ einfach zu erklären. Als Säugling werden wir in ein bestimmtes Umfeld geboren. Dieses Umfeld reagiert auf uns, sobald wir damit in Kontakt treten. Gehen wir beispielsweise davon aus, dass ein kleines Kind bei einem der ersten Gehversuche stolpert und hinfällt. Die normale Reaktion ist nicht das sofort einsetzende Weinen, sondern der Blick zur Bezugsperson, in diesem Fall die Mutter. Verzieht diese hier das Gesicht und schreit vor Angst um das Baby auf, wird auch das Kind augenblicklich weinen. Lacht die Mutter jedoch und beruhigt das Kleinkind, es ist  ja alles nicht so schlimm, wird das Kind ebenfalls lachen und wieder aufstehen. Dieses Phänomen ist ebenfalls auf einer neurologisch sehr tiefen Ebene fest verankert und als „Spiegelneuronen“ bekannt geworden.[i]

Je mehr Erfahrungen wir sammeln, je mehr Feedback wir also von unserer Umwelt erhalten, desto mehr Filter programmieren wir unweigerlich in unserem Vorbewusstsein.  Der Begriff „programmieren“ ist hier an das von Pavlow bekannte „Konditionieren“ angelehnt, der durch die Bemühungen, eine durch einen externen Reiz verknüpfte Reaktion hervorzurufen (in diesem Fall das Klingeln einer Glocke, die jedes Mal läutet, wenn ein Hund sein Futter vorgesetzt bekommt. Wird dies mehrmals wiederholt, genügt es, die Glocke zu läuten, um beim Hund den Speichelfluss so anzuregen, als befände sich das Futter tatsächlich vor ihm (obwohl dies nicht der Fall ist.) Programmieren meint hier, dass wir bewusst Einfluss darauf nehmen können, welche Filter bei uns verankert werden. Auf jeden Fall ist nötig festzuhalten, dass wir nicht ohne Filter funktionieren (zumindest nicht in der Welt und Umgebung, wie wir sie alltäglich kennen).

Anders formuliert: Im normalen Wachbewusstsein fungiert das Unterbewusstsein als Software Programm, das Einflüsse von außen durch vordefinierte Filter (erlernt aus Erfahrung, angeboren durch Evolution oder imaginiert mit unserer Vorstellung) an unser Bewusstsein weiterleitet. Tatsächlich beweisen aktuelle Studien, dass unser Gehirn de facto keinen Unterschied macht zwischen realen und fiktiven Erfahrungen. Es ist also egal, ob wir uns eine Situation nur vorstellen oder sie tatsächlich durchleben, die Entscheidungsmuster, die daraus resultieren, werden vom Unterbewusstsein gleich behandelt. Lediglich die Intensität des Erlebens variiert von der Wahrnehmung (nach außen) und der Vorstellungskraft (nach innen). Dieser Umstand ist jedoch ein weiterer Hinweis darauf, wieso Hypnose so gut funktioniert, da auch fiktive Szenarien unsere zukünftigen Entscheidungsmuster gezielt positiv beeinflussen können.

[i] Bauer, J. Warum ich fühle was du fühlst. 2006. München: Heyne Verlag.


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