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Benedikt, Autor auf ZHI - Seite 32 von 34

ZHI Blog & Aktuelle News - Seite 32

5 Erkenntnisse für dein Glück – rückblickend gedacht

Vergangenheit & Zukunft1. Wir sind Nostalgiker. Wie oft denken Sie an Dinge, die bereits in der Vergangenheit liegen? Täglich 10 Minuten, eine Stunde oder eher 10 Stunden? Wie häufig sagen Sie sich: „Ach, hätte ich doch…!“, „Ach, wäre doch gestern…!“ Doch das Leben ist kein Spiel von Konjunktiven. Es ist ein Spiel der Gegenwart – Also spielen Sie mit! Leicht gesagt, schwer getan? Unsere europäischen Wurzeln scheinen uns tatsächlich einen Strich durch die Rechnung zu machen: Europäer sind Nostalgiker, gelenkt vom Gewesenen, verliebt in die Vergangenheit. Wir sind „memory-driven“ sagen die Autoren Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler in ihrem Buch 50 Erfolgsmodelle – Kleines Handbuch für strategische Entscheidungen. Demnach widmen Europäer knapp die Hälfte ihres Denkens der Vergangenheit und ihren Erinnerungen. Amerikaner seien dagegen „dream-driven“, zwei Drittel ihrer Gedanken kreisten um die Zukunft. Asiaten tendierten wiederum zum Jetzt-Denken.

2. Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit. „[Es kommt darauf an,] sich sicher und gelassen mit dem angemessenen Humor und der angemessenen Melancholie in der zeitlich und räumlich ausgebreiteten inneren Landschaft zu bewegen, die wir sind.“ So drückte es einst der Schweizer Philosoph Peter Bieri in einem seiner Bücher aus. Ist die Vergangenheit, sind Erinnerungen ein unveränderliches Fixum? Nehmen wir einmal an, die Vergangenheit sei erinnerte Gegenwart. Wenn ich also an meinen ersten Kuss zurückdenke, so habe ich ein Bild dazu im Kopf, ich habe es vor dem geistigen Auge. Ich glaube, den Kuss sogar hören zu können… Wenn dieses Bild jetzt im Moment da ist, kann ich es dann auch verändern? Ja! Und das wird sogar therapeutisch und bei Coachings genutzt. Im NLP (Neurolinguistisches Programmieren) und auch in Bereichen der Traumaforschung wird mit Bildern aus der Vergangenheit gearbeitet. Dort entwickelte die amerikanische Psychologin Francine Shapiro die EMDR-Methode für posttraumatische Belastungsstörungen. Dabei werden traumatische Bilder aus der Vergangenheit wachgerufen, während der Klient den Fingerbewegungen eines Therapeuten folgt. Es wird vermutet, dass die ungewohnte Augenbewegung im Gehirn zu einer Muster-Unterbrechung führt und Erinnerungen dadurch neu bewertet werden. Zahlreiche Studien weisen die teils frappierend schnelle Wirkung nach. Spannend? Wer mehr dazu wissen will: Die WDR-Sendung „Quarks & Co.“ und die Zeitschrift „Psychologie heute“ haben berichtet. Übrigens gibt es angeblich auch ein Medikament, dass die Kopplung zwischen Erinnerungen und dem jeweiligem schlechten Gefühl aufzulösen vermag: Der Beta-Blocker Propranolol; er wirkt auf das Angstzentrum im Hirn. Hmm… Warum Medizin, wenn es auch ohne geht?

3. Wir besitzen nicht nur ein Gedächtnis. Was ist Ihre früheste Kindheits-Erinnerung? Der Kinderwagen? Das Rollerfahren? Die Einschulung? Und warum kann sich eigentlich niemand an die eigene Geburt erinnern? Die Antwort ist einfach: Unser Gedächtnis ist nicht angeboren, es entwickelt sich in den ersten Lebensjahren. Wir lernen zunächst Handlungen nachzuahmen, uns selbst im Spiegel zu erkennen und etwas später können wir uns schon an ganze Erlebnisse erinnern. Das Gedächtnis ist auch keine „Schublade“, wie früher vermutet. Es gleicht eher einem Kleiderschrank mit mehreren Schubladen. Da gibt es unter anderem das Kurzzeitgedächtnis (es speichert das Gesicht der Bäckersfrau), das prozeturale Gedächtnis (Radfahren!), das perzeptuelle Gedächtnis (Hund ist nicht Katze), das Faktenwissen (Peking ist die Hauptstadt Chinas) und das autobiografische Gedächtnis, welches sich vor allem emotional bedeutende Ereignisse einprägt, wie den ersten Kuss.

Vergangenheit

4. Erinnerungen sind das Paradies, aus dem uns keiner vertreiben kann. Erinnerungen formen unsere Persönlichkeit und beeinflussen unser Handeln. Doch woran liegt es, dass sich manche Menschen nur an das Schlechte zu erinnern scheinen, während Andere Unschönes sofort wieder vergessen? Erinnerungen sind stets subjektiv und leicht zu manipulieren. (Dies ist auch ein Grund dafür, weshalb die Justiz heute Zeugenaussagen immer weniger Glauben schenkt.) Es liegt also an einem Selbst, ob die Vergangenheit zum Paradies oder zum Knast schlechter Gefühle wird. Achten Sie bewusst einmal darauf, welche schlechten Dinge „an Ihnen kleben bleiben“. Welche negativen Erlebnisse kramen Sie aus der Geschichtskiste immer wieder hervor? Starten Sie, sich auf schöne Erinnerungen zu konzentrieren und diese immer wieder vor dem geistigen Auge zu sehen. Was war ihr größter Erfolg, ihr schönster Urlaub, was haben Sie heute Schönes erlebt? Machen Sie das Perfekt perfekt – Die Zukunft wird es Ihnen danken.

5. Jede Zukunft baut auf einer Vergangenheit auf. Was unterscheidet die Sätze „Ich habe ein Problem“ und „Ich hatte ein Problem“ – richtig! Offensichtlich wurde das Problem im zweiten Satz gelöst. Grammatikalisch hat sich lediglich die Zeitform geändert. Fragen Sie doch ab sofort: „Wie wäre es, wenn ich das Problem bereits gelöst hätte?“ oder in einem anderen Beispiel: „Wie würde es sich anfühlen, wenn ich heute den Erfolg von damals hätte?“ Formulierungen zu verändern, klingt lapidar, doch Sprache hat mehr Macht, als Sie glauben.

Die Art, wie wir über unsere Vergangenheit denken und reden, verändert unsere Zukunft. Dazu bald mehr.

 

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Glücklich werden – wie du dich selbst dazu zwingst

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Entschleunigung durch kulturelle Vielfalt

 

Bild: Malina Opitz

Wir haben die Ungeduld kultiviert: Wir essen aus der Mikrowelle, fahren ICE, hetzen von Termin zu Termin. Ein durchschnittlicher Hollywood-Film hat heute doppelt so viele Einstellungen wir noch vor 30 Jahren. Arbeiter werden nach Stunden bezahlt, Rechtsanwälte nach Minuten, die Werbung verkauft sich nach Sekunden. Und aus der Wanduhr tropft die Zeit. Eine SMS hat 160 Anschläge, getwittert wird mit 140 Zeichen. Der Tag ist lang und vergeht doch wie im Flug. Wenn wir schließlich entspannen wollen, ziehen wir die Laufschuhe an und rennen, rennen, rennen. Es ist  nicht Geld, was die Welt regiert. Es ist nicht Macht. Es ist die Zeit.

Das war nicht immer so. Wir haben Maschinen entwickelt, um Zeit zu sparen und fühlen uns seitdem gehetzt. Als die Eisenbahn erfunden wurde, hieß es noch: „Jetzt liegt die Ostsee vor Paris!“ Die Freude war groß und hielt nicht lange an. Doch was ist Zeit überhaupt? Zeit ist ein Hirn-Konstrukt, welches sich abhängig von der Kultur entwickelt. In Deutschland haben wir als Kinder oft den Satz gehört: „Trödel nicht so! Zeit ist Geld“, ein Kind auf den Straßen Madrids wächst dagegen eher mit dem Spruch auf: „Eilst Du, erreichst Du als erstes das Grab.“ Das Zeitkonzept einer Kultur hängt noch von weiteren Kriterien ab. Vom Klima zum Beispiel: Nach dem US-amerikanischen Psychologen Robert Levine gehören Mexiko, Brasilien und Indonesien zu den „langsamsten Völkern“ der Welt – Sie alle liegen in der Tropenzone. Wissenschaftler vermuten, dass in diesen Regionen auch die innere Uhr langsamer tickt. Neben dem Klima hat auch die Einwohnerzahl Einfluss. Dabei gilt: Je größer die Stadt, desto schneller ihr Leben. Levine schreibt in seinem Buch „Eine Landkarte der Zeit“, dass ein Großstadtkind doppelt so schnell durch den Supermarkt läuft, wie ein Kleinstadtkind, welches wesentlich länger mit den Angestellten interagiert und sich ausführlicher mit den Produkten beschäftigt.

Was also tun? Wir brauchen echte Entschleunigung. Erleben wir Zeit wieder wie ein Kind! Und zwar im Hier und Jetzt! Da ist der Bagger, da ist die Schaufel, da ist die Mama, die zum Essen ruft… Die Pirahã im brasilianischen Urwald haben sich dieses kindliche Zeitkonzept bewahrt. Bei ihnen zählt ausschließlich das unmittelbare Erleben. Sie legen keine Vorräte an, machen sich keine Gedanken über die Zukunft. Und auch die ferne Vergangenheit ist dem Urvolk fremd. Die Pirahã sprechen nur über Dinge, die sie selbst oder ein Angehöriger erlebt haben. Ihr Leben ist weder beschleunigt noch entschleunigt. In der Forschung gelten die Pirahã als eines der glücklichsten Völker der Erde. Das Hier und Jetzt ist ihr Schlüssel. Wir können von vielen Völkern lernen, Ruhe zu bewahren und zu schätzen: Auf Bali gibt es beispielsweise die Gummizeit („jam kerat“). Dort heißt es: „Der Bus kommt vier Stunden Gummizeit“, also plus/minus vier Stunden. Und auch auf Cuba ist es nicht unüblich, einen halben Tag lang auf den Bus zu warten. Den Leuten vor Ort macht das nichts aus, denn sie bewerten Wartezeit anders als wir. Lasst uns Wartezeiten genießen! Der Bus hat fünfzehn Minuten Verspätung? Gut! Dann nutzen wir die viertel Stunde und konzentrieren wir uns nur auf den Atem. Oder auf die Umwelt: Das Grün der Blätter, das Rascheln einer Plastiktüte, der Geruch von Mohnbrötchen aus dem Bäckerladen. Schulen wir unsere Aufmerksamkeit!

Laut einer Feldstudie verbringt der Durchschnittsamerikaner fünf Jahre mit Schlangestehen, sechs Monate mit Warten vor roten Ampeln und zwei Jahre mit dem Versuch, Telefonanrufe zu beantworten. Das alles wäre unproblematisch, gäbe es eine positive Bewertung dieser als tot empfundenen Zeit. Hier könnten wir auch von China und seinem Zeitkonzept lernen. „Eine Unze Gold kann nicht eine Minute aufwiegen“, sagen die Chinesen. Wie auch bei den Nachfahren der Mayas, den Quiché in Guatemala, geht es dem Volk um die Qualität der Zeit. Denn wer die Stille zu schätzen weiß, für den ist sie keine vergeudete Zeit mehr. Entschleunigung wird zur Kraftquelle: In Asien hat das Nichtstun eine wertvolle, produktive und kreative Kraft. In Japan gibt es sogar ein Wort dafür: „Ma“, was übersetzt „Voll von Nichts“ bedeutet. Schön, nicht? Und was bedeutet das für uns? Entschleunigung, aber bitte dalli! Und fangen wir an das Nichtstun zu genießen! Los, lasst uns Routinen aufbrechen und betont langsam laufen, wenn wir es gerade eilig haben! Oder rückwärts! Tun wir was oder tun wir nichts. Aber mit Genuss.