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Virginia Satir: Leben, Ziele und Visionen

Das Leben von Virginia

1916 wurde Virginia Statir in Wisconsin auf einer kleinen Farm geboren. Sie war die Älteste der Geschwister in der Großfamilie. Ihre Mutter stammte aus vornehmen, gut bürgerlichen Kreisen ab du legte großen Wert auf die Bildung. Ihr Vater hingegen hatte seinen Ursprung in einfachen Familienverhältnissen und war ein wenig gebildeter Arbeiter.

Diese unterschiedlichen Hintergründe führten oft zu Streit und Unverständnis zwischen den Elternteilen. Ihre Konflikte trugen sie allerdings nie vor ihren Kindern aus. Trotzdem herrschte in der Familie immer eine spürbare Spannung. Der Vater von Satir versuchte die Probleme durch Alkohol zu lösen. Das schwierige Elternhaus hat die berufliche Entwicklung von Satir stark geprägt und sie wollte schon im jungen Alter von fünf Jahren den Beruf einer „Familien-Detektivin“ ergreifen.

Nach ihrer College-Ausbildung arbeitete Satir zunächst als Lehrerin und absolvierte eine berufsbegleitende Ausbildung im Bereich soziale Arbeit, sowie eine psychoanalytische Weiterbildung.

Direkt im Anschluss eröffnete sie ihre erste eigene Praxis. Zu Beginn zählten nur mittellose Patienten zu ihren Klienten. Als Nicht-Mediziner blieb ihr die Möglichkeit verwehrt, von zahlenden Patienten besucht zu werden.

  • Im Zeitraum 1955 – 1958 arbeitete Virginia Satir im Psychiatric Center in Illionois / Chicago. Sie hatte einen Lehrauftrag. Nebenbei war sie als freie Beraterin für ein Unternehmen tätig, leitete zwei Therapiepraxen und war intensiv im Schulzentrum engagiert.
  • Gemeinsam mit Jules Riskin und Don D. Jackson wurde von Satir das bekannte MRI – Mental Research Institut mit seinem Sitz in Palo Alto gegründet. Von dort ausgehend fing sie damit an in vielen US-Bundesstaaten Therapie-Vorführungen und Vorträge zu halten.
  • 1966 traf Satir die Entscheidung aus dem MRI auszusteigen. Sie fokussierte sich nun auf die Erweiterung ihres entwickelten „Conjoint Family Therpie“-Ansatz und konzentrierte sich auf ihre Lehrtätigkeit.
  • Mit dem damals 22 Jahre alten Richard Bandler stoß sie 1972 zusammen.
  • Während der 1970er-Jahre pflegte Satir nicht nur den Kontakt zu den verschiedensten Therapeuten. Es entfachte ihr Interesse an den unterschiedlichen Indianerstämmen, bei denen sie eine Quelle der Inspiration und Spiritualität fand.
  • 1977 gründete Satir ein weiteres Unternehmen das „Avanta Network“. Ziel dieses Nonprofit-Unternehmens war es, Menschen, die von ihr ausgebildet wurden und, die die gleichen Werte wie sie teilten zusammenzuführen und einen regelmäßigen Austausch zu ermöglichen. Sie vertrat die große Vision, dass alle Menschen miteinander in Frieden leben. Dabei sollte sie ihr Netzwerk unterstützen.
  • Ein zentrales Element von „Avanta Network“ war die Vermittlung und Entwicklung von Verfahren, die dabei helfen sollen, das persönliche Selbstwertgefühl zu erhöhen. Die Networker-Gemeinschaft befasste sich mit der Protektion von Denkmodellen. Denkmodelle, die vorrangig das individuelle Wachstum in ihren Fokus stellen. Auch wurde an der Verbessrung der zwischenmenschlichen Kommunikationsmuster weitergearbeitet.
  • 1988 erfüllte sie sich einen ihrer großen Lebenswünsche, für ihre Arbeit in der damaligen Sowjetunion, an einer Demonstration teilzunehmen. Erfüllt von diesen Eindrücken starb sie kurze Zeit darauf am 10. September zu Hause in Palo Alto an einer Krebserkrankung.

Der Grundgedanke von Satir – der persönliche Selbstwert und das Nutzen des gegebenen Grundpotenzials

Virginia Satir war es ein großes Anliegen Menschen zu zeigen, welche Fähigkeiten in ihnen schlummern. Sie wollte ihnen ihr „Grundpotenzial“ bewusst machen und zeigen, wie dieses Nutzen zu Frieden, Zufriedenheit und Wachstum führen kann.

„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt“ – Virgia Satir

Die Freiheit der Menschen

Ihre persönliche Grundeinstellung, mit denen sie anderen Menschen helfen wollte, brachte Satir in ihren „Fünf Freiheiten“ zum Ausdruck:

  • Die Freiheit des Sehens und des Hörens, von jenen Dingen, die im Moment wirklich da sind, – anstelle das, was einmal sein wird, was gewesen ist oder was eigentlich sein sollte.
  • Die Freiheit des Aussprechens von persönlichen Gedanken und Gefühlen, – und nicht bloß das auszusprechen, was von anderen erwartet wird.
  • Die Freiheit, zu den eigenen Gefühlen zu stehen und sie zu vertreten, – und nicht falsche Gefühle vortäuschen zu müssen.
  • Die Freiheit, direkt um jene Dinge zu bitten, die man selbst braucht, – anstatt zuerst immer auf eine offizielle Erlaubnis zu warten.
  • Die Freiheit, selbst darüber zu entscheiden Risiken einzugehen und dafür die Verantwortung zu übernehmen, – anstatt sich immer in der Sicherheit der Komfortzone aufzuhalten und nicht zu versuchen Neues zu wagen.

Die negativen Kommunikationsarten

Vor allem aufgrund ihrer Vergangenheit und Kindheit war das Interesse an der Kommunikation innerhalb des Familienbundes für Virginia Satir sehr groß. Aus diesem Interesse heraus entwickelte sie ein Kommunikations-Modell, welches vier mögliche negative Kommunikationsarten behandelt.:

  • Das Beschwichtigen
    „Ich mache immer alles falsch.“ mit dem abhängigen Gefühl: „Nur, wenn ich jeden glücklich mache, werde ich geliebt.“
  • Das Anklagen
    „Du machst immer alles falsch.“ mit dem abhängigen Gefühl: „Ich bin jedem egal. Solange ich nicht lautstark auf mich aufmerksam mache, macht sowieso niemand etwas.“
  • Das Rationalisieren
    Mit dem abhängigen Gefühl: „Es ist meine Aufgabe, den Leuten zu zeigen, wie intelligent ich bin. Gute Gedanken und Logik sind die einzigen wahren Werte, die zählen.“
  • Das Ablenken
    Mit dem abhängigen Gefühl: „Ich werde sicher die notwendige Aufmerksamkeit bekommen, unabhängig davon, wie intensiv ich mich dafür auch aufführen muss.“

Die wichtigsten Werke von Virginia Satir

Titel: Das Satir-Modell
Untertitel: Familientherapie und ihre Erweiterung


Umfang: 400 Seiten, Verlag: Junfermann Verlag, Auflage: 4. Auflage (1995, 30. Juni), ISBN 387387167X, Autor: Virginia Satir in Zusammenarbeit mit John Banmen und Jane Gerber

Titel: Kommunikation, Selbstwert, Kongruenz
Untertitel: Konzepte und Perspektiven familientherapeutischer Praxis


Umfang: 496 Seiten, Verlag: Junfermann Verlag, Auflage: 9. Auflage (1994,1. Januar), ISBN 3873870185, Autor: Virginia Satir

Titel: Familientherapie in Aktion
Untertitel: Die Konzepte von Virginia Satir in Theorie und Praxis


Umfang: 216 Seiten, Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, Auflage: 6. Auflage (2004, 1. Januar), ISBN 3873872749, Autor: Virginia Satir und Michele Baldwin